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TaiwanXié Xié !
Ein Reisebericht:
Ich hatte Bammel vor dem Tag Aufenthalt in Taipeh. Mein Flieger sollte früh um 7 Uhr 30 in Taipeh landen und am nächsten Tag um 7 Uhr früh nach Hanoi weiter fliegen. Der Flughafen liegt 50km außerhalb der Stadt. Zudem stand im neuesten Reise Know-How , das der erste Bus um 6 Uhr 30 zum Flughafen geht und das dieser auch nachts schließt. Englisch soll da auch niemand sprechen und dann die Schriftzeichen. Gute Nacht!! dachte ich. Immerhin sind 14 Tage für Deutsche visafrei.
Taipeh wartete dann mit schönem Wetter.
Zunächst musste ich durch die SARS-Schranke. Elektronisch wurde mit einer Wärmekamera meine Temperatur gemessen, jedoch nur bei der Einreise, bei der Ausreise wurde nicht kontrolliert (auch nicht bei der Einreise in Frankfurt). Dann ging es durch die Passkontrolle, wo ich ein Visum für 30 Tage erhielt.
Schließlich suchte ich die Touristinformation auf. Dort boten sie mir eine halbtägige kostenlose Stadtrundfahrt an. Sie versorgten mich außerdem mit einem Faltblatt mit Stadtplan und einer Broschüre des Flughafenbusses, erkundigten sich nach dem spätesten Bus zum Flughafen und meinten, ich könnte einigermaßen bequem im Terminal 2 übernachten. Jippie, alles Paletti !!
Auf ging es zur Stadtrundfahrt. Taipeh wirkte aufgeräumt und hat eher europäischen als asiatischen Charakter, wenn es nicht die chinesischen Schriftzeichen gäbe. Zuerst ging es zur Chiang Kai Shek Memorial Hall (Bild oben).
Chiang Kai Shek
war chinesischer General. Nachdem er ein Jahr zuvor als Chinesischer Präsident gewählt wurde, flüchtete er 1945 mit weiteren 1,5 Mio. Chinesen vor den Kommunisten vom Festland China. Dort regierte ca. 25 Jahre diktatorisch die Insel. Dabei blieb Taiwan „Republik China“ kapitalistisch, während das Festland „Volksrepublik China“ von den Kommunisten beherrscht wird. Der Gedanke eines vereinten Chinas wurde aber nie aufgegeben; jegliche Unabhängigkeitsbestrebung Taiwans wird auch mit Kriegsdrohung von China begleitet. Obwohl die Beziehungen beider Länder äußerst gespannt ist, ist es dennoch möglich, für einen Taiwanesen die Volksrepublik China besuchen.Die Volksrepublik betrachtet ihn als Kriegsverbrecher. Im sogenannten "Shanghai Massaker" 1927 ließ er durch seine Truppen mehrere Tausende streikende Arbeiter abschlachten, um einen Aufstand abzuwehren. Die Kommunisten wandten sich dann an das ländliche Proletariat, um Veränderungen durchzuführen, was ihnen letztlich auch gelang.
In dem riesigen Monument befindet sich eine Büste, Herr Chiang Kai Check als Wachsfigur in seinem Arbeitszimmer, seine zwei Cadillacs und allerhand chinesische Kunstwerke. Davor ist ein riesiger Platz, umrahmt von zwei großen Musikhallen mit geschwungenem Dach in chinesischer Bauweise.
Chiang Kai Check Wachsfigur click on picture to enlarge
"Ihla Formosa"
Ursprünglich wurde die Insel von malaiischen Einwanderern bevölkert, von denen noch ca. eine halbe Mio. Menschen existieren. Im Jahre 1590 waren Portugiesen auf der Insel, die sie „Ilha Formosa“- die schöne Insel - tauften. Der Name Formosa war bis ins 20 Jahrhundert gebräuchlich. Auch Holländer und Spanier waren im 17 Jahrhundert zugegen, kurzfristig gaben auch Franzosen und Japaner (so 1895 bis 1945) ihr Stelldichein.Danach wurde der Märtyrerschein besucht, ein Tempel als Kriegsopferdenkmal in chinesischer Architektur. Die Wache stehenden Soldaten und die stündliche Wachablösung wirken militaristisch und von gestern, trotzdem ist dies ein beschaulicher Ort.
Am Schluss endete meine Stadtrundfahrt im Nationalmuseum. Sogar der Eintritt von etwa 3 Euro wurde mir gesponsort. Im Nationalmuseum befindet sich die größte Sammlung alter chinesischer Kunstwerke. Dieser Schatz wurde 1924 bei der Vertreibung des letzten chinesischen Kaisers aus dem Palast in Peking in über 13427 Kisten verpackt und gelang nach 15 jähriger Odyssee schließlich nach Taiwan. Bronzegefäße, Jade, Teppiche, Kaligraphien, Gemälde und vor allem chinesisches Porzellan werden dort ausgestellt. Zu letzterem sei etwas erwähnt:
Chinesisches Porzellan
Porzellan ist Lehm vermischt mit Kaolin, welches mit einer Glasur versehen und unter einer hohen Temperatur gebrannt wird. Man unterscheidet antikes chinesisches Porzellan nach den Dynastien:In der Sung Dynastie war das Porzellan noch weiß oder grün mit zum Teil schwarzen Grund und weißer Dekoration oder umgekehrt.
- Sung (960-1279),
- Yüan (1279-1368),
- Ming (1368-1644)
- Ch’ing (1644-1911)
In der Yüan Dynastie wurde das Porzellan dicker und größer, aber wurde ergänzt durch Kobalt blau oder kupferrot.
Ming Porzellan ist ähnlich dem Meißener Porzellan blau weiß und wird wieder feiner.
In der Ch’ing Dynastie ereichte die Porzellankunst, ausgeführt durch höfische Eunuchen, mit brillanten Emaillen ihren Höhepunkt.Nun war ich alleine auf mich gestellt. Nach den ersten Schritten merkte ich, dass das Museum auf dem Plan nicht mehr drauf war. Zurück ins Museum malte ein freundlicher Herr mir die Schriftzeichen der nächsten Metro Haltestelle auf, die ich dem Busfahrer zeigen konnte.
Die Metro war modern, zumindest moderner als in Frankfurt/Main und alle Ausstiege wurden in Ton und Bild und auch in Englisch angezeigt. Umsteigen zum „Financial Distrikt“ war auch kein Problem.
Dann bewunderte ich das derzeit höchste Gebäude der Welt:
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Wolkenkratzer 101
Im „Financial Distrikt“ befindet sich der Wolkenkratzer „101“ (101 Stockwerke!!), das höchste Gebäude der Welt. Es handelt sichum den einzigen nennenswerten Wolkenkratzer der Stadt. Das Gebäude hat keine vierte Etage (vier klingt im chinesischen so ähnlich wie Tod und ist eine Unglückszahl) und die Glückzahl 8 wurde mehrfach einbezogen. Im Gebäude befindet sich der schnellste Aufzug der Welt (1000m/Min).
Eine riesige 660 t schwere vergoldete freischwebende Kugel im 88.Stock, die an acht hydraulischen Zylindern verbunden ist, soll bei Erdbeben und Taiphune die dabei entstehenden Schwingungen ausgleichen. Taiwan liegt nämlich aufgrund des Verhakens der eurasischen und philippinischen Platte in einer Erdbebenzone (1999 ein Beben von 7,7!). Erschwerend für die Errichtung war, das der Untergrund eigentlich ungeeignet ist für ein solches Gebäude und durchschnittlich vier Taiphune im Jahr den Koloss ins Wanken bringen können (normales Wanken 2 Meter). Dazu mußte die Fensterfassade doppelt so stark sein wie sonst bei Wolkenkratzern erforderlich. Auch soll die Megastrukturbauweise mit 8 Megasäulen von je 3x4m und die feuerresistenter Beschichtung selbst Flugzeugkollisionen überstehen lassen.In Dubai entsteht gerade ein noch höheres Gebäude.
Link: skyscrapers.com,Anschließend besuchte ich ein riesiges Warenhaus. Die Preise waren hoch, Taiwan ist kein Billigland mehr. Metro und Busfahren sind aber noch günstig.
Im Kellergeschoss war ein Food Corner mit vielen Restaurants zum Mittagessen, wo ich mir für umgerechnet 6 Euro ein Essen gönnte. Lecker, aber kein Besteck, nur Stäbchen!!! Schüchtern fing ich an zu essen, immer herumblickend ob sich die Einheimischen nicht kaputtlachen wegen meinem Kampf mit der Speise und dem Essbesteck, aber niemand bemerkte meine ersten Essversuche. Gut, ich hatte Zeit und irgendwie klappte das mit dem Stäbchenessen dann auch mehr oder weniger.
Langsam wurde es dämmrig und ich fuhr zum Hauptbahnhof, was so als Stadtmitte eingezeichnet war. Es war gar nicht so einfach, sich zurecht zu finden. Endlos lange unterirdische Fußgängerzonen, irgendwie erschien ich gerade da auf die Erdoberfläche, wo ich nicht hinwollte. Nach einer dreiviertel Stunde herumsuchen fand ich endlich doch ein paar Einkaufsstraßen mit vielen bunten Reklamen in chinesischen Schriftzeichen.
Taipeh City
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Chinesische Schrift
Davon muss man so 1500 bis 3000 kennen, um einigermaßen Chinesisch lesen und schreiben zu können. Das bedeutet auswendig lernen, ein besonders ausgeprägtes System gibt es dabei nicht. Jedes Zeichen bedeutet ein Wort; ein Wort kann aber aus mehreren Zeichen bestehen (klar: zusammen gesetzte Wörter kennen wir ja auch).Die Chinesische Sprache hat bis auf mehrere Dutzend Artikel keine Grammatik: Zeiten, Geschlechter, Deklinationen und Fälle sind unbekannt. Die Vergangenheit muss sich aus dem Kontext oder Wörtern wie „gestern“ oder „letztes Jahr“ ergeben. Auch sonst ist die Sprache sehr logisch „22“ = „2 zehn 2“, „Montag“ = „1 Tag der Woche“, „Wir“ = Ich + Pluralwort und „Ihr“ Du + Pluralwort und so weiter. Umschrieben wird die Sprache in einer Lautschrift, wobei das zu Ungenauigkeiten führen muss. Eine Silbe mal hoch oder tief, mal abfallend, aufsteigend oder geleiert gesprochen, ergibt jedes Mal ein anderes Wort. „Ma“ kann dann je nach Betonung Mutter, Pferd, Reissetzling bedeuten. „Ni Hao“ („Nie Haauu“ = „Hallo“, wörtlich übersetzt „Du Gut“) bedeutet ausgesprochen „Ni Haò“ dann „Du Ratte!“ und aus der häuflich gebräuclichen Formlierung "Qing Wèn" „Darf ich dich was fragen?“ kann dann leicht "Qing Wen" „Darf ich Dich küssen?“ werden.
Aber keine Angst, Taiwanesen kalkulieren Fehler bei Fremden ein, sie finden es sowieso mutig, das es sich Leute ohne Kenntnisse der Sprache und Schrift wagen, ihr Land zu besuchen.
Links: xuexizhongwen.de, zhongwen.com (auf Englisch), nsonic.de/chinesisch, csulb.edu/~txie/online.htm,
Nun zurück zum Stadtbummel. Jedes Stadtviertel hat seinen eigenen Tempel, der bekannteste und vielleicht schönste von ganz Taiwan ist der „Lungshan Tempel“ unweit vom Stadtzentrum am Tanshui River gelegen. Dieser „Drachenberg Tempel“ wurde 1738 bis 1740 erbaut. Das geschwungene Dach wird von Drachen und Phönixe geschmückt, auch sonst weist der Tempel jede Menge unter anderem vergoldeter Zierrat auf. Neben Buddha befinden sich noch andere Statuen von Schutzheiligen dort, wie z.b. die des rotgesichtigen Schutzpatrons Kuan Kuang (ein früherer General gestorben 219), die schwarzgesichtige „Matsu“, welche Schutzheilige der Seeleute ist, sowie die vielarmige buddhistische Gottheit „Kuanyin“, die allen in Not Geratenen hilft.
Die chinesische Volksreligion hat verschiedene Elemente:
- Daoismus: die von Laotse rührende „Lehre vom rechten Weg“ (Daoismus), die den Einklang der Natur mit den Menschen, Göttern und Geistern, dem Ying und Yang, dem männlichen und weiblichen Prinzip sucht;
- Buddhismus, wonach rechtes Denken und Handeln zum Erlösen vom Leid führt und
- Konfuziusmus, welche Ehrfurcht und Treue vor den Eltern, Freunden, aber auch vor den Herrschern gebietet,
- Ahnenkult und
- Animismus, dh. dem Glauben, das man unter Göttern und Geistern lebt sowie der Wahrsage durch Orakel.
Der Tempel ist ein Ort, um die Geister und Götter um Unterstützung zu bitten oder um Orakel zu befragen. Er war daher entsprechend gut besucht. Essen und Blumen wurde als Opfergaben gebracht, die im Tempel von den Göttern angenommen werden und dann so gesegnet zu Hause verspeist werden. Räucherkerzen werden in einem großen Weihrauchtopf angezündet. Leute knieten, beteten. Zwei mandelförmige, würfelartige Halbkugeln dreimal auf den Boden zu werfen. Blieb ein Würfel auf der kugeligen Seite und ein Würfel auf der flachen Seite liegen, bedeutet das gute Umstände. Zweimal kugelig oder zweimal flache Seite ist einmal neutral und einmal ungünstig. Eine junge Frau erklärte mir dies; sie warf auch einmal für mich: „gute Umstände für meinen Urlaub“. Wer gute Umstände geworfen hat, schüttelt ein Bündel Stäbchen, welche sich in einem vasenartigem Gefäße befinden. Der Stab, der nach dem Schütteln dann irgendwie hervorsticht, wird herausgezogen. Auf dem Stab ist eine Inschrift, die als Orakel interpretiert werden kann. Bücher zur Interpretation liegen zu Dutzenden bereit. Ein asiatisch aussehender Mann mit Fotoapparat um den Hals stürzte später auf mich zu und fragte auf englisch: „Was machen alle die Leute hier!?“ Da war ich zunächst einigermaßen verblüfft, warum er das gerade von mir als Europäer wissen wollte, aber er war ein Tourist aus Südkorea, der annahm ich könnte Englisch.
Nachtmärkte
Anschließend ging es zu dem angrenzenden Nachtmarkt der berühmten Nachtmärkte Taiwans in der Huashi Street. Die Nachtmärkte sind Märkte an dem in vielen kleinen Marktstände Waren feilgeboten werden, außerdem gibt es unendlich viele Fressbuden mit allen möglichen Speisen. Berühmt soll Huashi Street wegen seiner Schlangen sein, auch als „Snake Alley“ bekannt, die an den Fischständen mitverkauft werden sollen. Bis auf in Alkohol eingelegte Schlangen habe ich davon aber nichts gesehen; die zur Schau gestellten Häutungen der Schlangen sind wohl heute aus Tierschützerprotesten verboten und die chinesischen Schriftzeichen ließen nicht erahnen, was gerade Schlangenfleisch war. Weitere berühmtere Nachtmärkte ist unter anderem der von Kungkuan ( an der Taipeh Uni ).
Dort sah ich eine Variante eines Schnellimbisses, die vielleicht auch hierzulande Zukunft hätte. Man sucht aus Unmengen von Zutaten von Fleisch, Gemüse, Fisch, Nudeln etc. einige aus und legt diese in ein Körbchen nach Wahl, welches dann kurz blanchiert wird und anschließend in einem Wok kurz angebraten. Eine Teryaki-Sauce drüber nochmals gerührt, in einen Beutel gepackt und ab nach Haase damit. Bezahlt wird für jede gewählte Zutat. Also, wer aufgrund diesen Tipps Mac-Buddha Millionär wird: ich möchte ein Frei-Fress-Abo haben, auf die Gefahr hin, dann wieBuddha auszusehen.
Nach dem Besuch des Lungshan Tempel und des Nachtmarktes „Huashi“ wollte ich ganz nach Stadtplan eine Abkürzung durch ein paar Gassen zur Metro nehmen und war plötzlich im Rotlichtviertel „Wanhua“ bzw. dessen Reste. Mädels auf Motorräder in entsprechendem Outfit machten entsprechende Avancen. Sie waren aber nicht besonders hübsch, so das die Versuchung gar nicht aufkommen konnte.
Dann entschloss ich, eher etwas früher zum Airport zurückzukehren. Am Bahnhof begann das Dilemma den Bus zum Flughafen zu finden. Der war nämlich gar nicht gut ausgeschildert. Die Taiwanesen waren alle gerne behilflich, sie konnten aber kaum Karte lesen, der eine schickte mich dorthin und der andere wieder in die entgegengesetzte Richtung. Fast war ich am Ziel, dann hieß es wieder zurück. Eine kleine Taiwanesin bot sich dann als Übersetzungshilfe an, sie konnte ein wenig mehr Englisch als alle anderen. Sie nahm mich an der Hand führte mich durch den wilden Verkehr zum Bahnhof zurück und brachte mich wie ein Liebespärchen über die Hauptstrasse zum Bus. Sie hatte an diesem Tag Geburtstag!
Schiä Schiä!Am Flughafen übernächtigte auf einer Ledercouch im Terminal 2, die für wartende Passagiere Platz bot. Durch das Klappern der Schuhe der Stewardessen am frühen morgen wurde ich geweckt. Ein schöner Tag in Taipeh, an dem ich mich gerne zurückdenke.
„Schiä Schiä, Taipeh“ und „Dsài Djiän!“Weitere InformationenWetter:
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Links:
taiwantourismus.de , tbroc.gov.tw
Rail: railway.gov.tw,
taiwan.net.tw, taiwan.wcn.com.tw, sinica.edu.tw/tit, taiwanho.com,