Das Ende des Eisenbahngeschützes "DORA" in Auerswalde - Sachsen

(The end off the biggest railway gun "DORA" in Auerswalde - Saxonia)
Matthias Gluba Auerswalde, Gemeinde Lichtenau
Seit einigen Jahren befasse ich mich mit der Geschichte des Heeres-Neben-Zeugamtes von Auerswalde, ca. 10 km nördlich von Chemnitz gelegen. Die Recherchen haben ergeben, dass hier das Eisenbahngeschütz "DORA" ab Herbst 1943 eingelagert wurde.

In dem Buch von Gerhard Taube "Deutsche Eisenbahngeschütze" sind die beiden Geschütze "DORA" und "GUSTAV" bis ins Detail beschrieben. Lediglich der Verbleib der beiden Geschütze ist nicht korrekt dargestellt. In anderen Veröffentlichungen zu den Eisenbahngeschützern werden sogar falsche Angaben gemacht.

Durch Befragung von vielen Zeitzeugen konnte das Ende der beiden Geschütze neu gefasst werden. Diese Erkenntnisse werden durch Auskünfte bei der Deutschen Dienststelle (WAST) in Berlin über die militärische Laufbahn von Soldaten bestätigt, die mit der Begleitmannschaft der "DORA" nach Auerswalde kamen und dann nach Kriegsende hier geblieben sind.
Entsprechend der Veränderungsmeldungen der Wehrmachtsdienststellen wurde am 11.09.1943 der gesamte "DORA"-Komplex ,einschließlich des gesamten Schienenmaterials, in das Heeres-Neben-Zeugamt von Auerswalde verlegt. Die 8 Soldaten der Begleitmannschaft tragen das "KRIMSCHILD" . Gleichzeitig mit der "DORA" wurde eine Batterie 3,7 cm Flak mit 3 Geschützen in das Depotgelände verlegt. In ca. 1 km Entfernung in westlicher Richtung wurden, auf dem Bergrücken zwischen Auerswalde und Garnsdorf, 12 Soldaten mit einem Flakscheinwerfer und einem Horchgerät stationiert. Es wurde extra auf dem Feld eine sogenannte Einheitsbaracke aus dem Kistenwerk aus Köthensdorf aufgestellt. In dem Waldstück "Pfarrfichten" war ein Stromgenerator getarnt installiert. Da das Depotgelände bis zu diesem Zeitraum keine Fliegerabwehr hatte, lässt sich die Bedeutung der "DORA" Einlagerung verdeutlichen. Diese Einheiten blieben dann bis Anfang 1945 hier stationiert, wurden dann aber wahrscheinlich wo anders wichtiger gebraucht und abgezogen.

Ein Zeitzeuge berichtet von einem Bahntransport am 5.2.1945, bestehend aus 3 Zügen, auf die Bahnhöfe Oberlichtenau (die Bahnstation des Heeres-Neben-Zeugamtes Auerswalde), Markersdorf-Taura und Limbach-Oberfrohna. Dabei handelte es sich um das Eisenbahngeschütz "GUSTAV". Dieses Geschütz wurde hier ebenfalls in dem genannten Zeitraum abgestellt. Erst Ende März wurden die Transporte des Eisenbahngeschützes "GUSTAV" in Richtung Oberfranken weiter verbracht.

Einer von ihnen war Uffz. Wilhelm R. (rechts). Er war Kanonier in der Artillerie-Abteilung (E) 672 und wurde am 11.09.1943 in das Heeres-Neben-Zeugamt Auerswalde versetzt. Da für "GUSTAV" keine eigene Geschützbedienung aufgestellt wurde, war er in Rügenwalde auch an diesem Geschütz im Einsatz. Er steht hier vor dem ehemaligen "Sängerheim" in Auerswalde (jetzt Fleischerei Mohr), hier waren die Soldaten der Begleitmannschaft untergebracht. Wilhelm R. wohnte noch bis 1986 in Auerswalde.

Neben ihm steht der Soldat Ernst M. Er wurde wie der Großteil der "DORA" Mannschaft in das 388. Volks- Artillerie- Korps eingegliedert und wurde zu Abwehrkämpfen bei Novgorod eingesetzt. Er wurde erst später nach Auerswalde abkommabtiert und wohnte hier bis 1996.

Die Zugehörigkeit beider Soldaten zur Artillerieabteiung (E)672 sowie die Versetzung in das Heere-Neben-Zeugamt Auerswalde sind durch entsprechende Recherchen bei der WAST bestätigt worden.

Ebenfalls in Auerswalde wohnt der ehemalige Gefreite Gerhard N. Er war mit der 24. Division auf der Krim in Bachtschissaraj neben der "DORA" Stellung stationiert. Er kann sich noch genau an den lauten Knall nach jedem Schuss von "DORA" erinnern.

Die 24. Division wurde dann ebenfalls mit nach Leningrad verlegt. Die "DORA" kam hier aber nicht zum Einsatz. Es erfolgte lediglich die Zielaufklärung und die Vorbereitung zum Ausbau der Feuerstellung für das Geschütz.

Auf dem Foto ist er links, ebenfalls mit "KRIMSCHILD" zu sehen.

Die beiden Fahrgestellhälften der "DORA" sowie die beiden Schießgerüste werden in der großen Geschützhalle abgestellt. In der kleinen Geschützhalle werden das Seelen- und Mantelrohr, die Wiege und das Bodenstück mit dem Verschluß eingelagert. Auf den Gleisen vor den Hallen stehen Munitionswagen sowie die restlichen Materialwagen. Ebenfalls wird das gesamte Schienen- und Schwellenmaterial im Depotgelände abgelagert. Um das Geschütz einsatzbereit zu halten, besonders um die Schmierung der Gleitlager an den Achsen zu gewährleisten, wird in bestimmten Abständen der gesamte Komplex immer nachts vom Bahnhof Oberlichtenau nach Chemnitz-Küchwald, Chemnitz-Hilbersdorf und zurück bewegt.

Erst einen Tag vor dem Eintreffen der Amerikaner am 14. April 1945 wird die Wiege und der Verschluß der "DORA" von Soldaten des 676. Pionierbataillons gesprengt. Am gleichen Tag wird auch die Autobahnbrücke über die Chemnitz in Chemnitz/Glösa gesprent, um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten. Diese umgehen die gesprente Brücke über Nebenstraßen und stossen über Auerswalde bis zur Zschopau vor.
Für die Sprengung des Geschützes wurde ein ganzer Lastzug mit Sprengstoff angefahren. Der übrig gebliebene Sprengstoff, einschließlich der Zündkapseln, lag dann noch lange Zeit im Depotgelände.
Bei der Wucht der Explosion wird die gesamte kleinere Geschützhalle zerstört. Die hier von den Amerikanern existierenden Fotos lassen sich eindeutig für das Depotgelände von Auerswalde identifizieren. Obwohl einige Fotos mehrmals dem bei Grafenwöhr abgestellten zweiten Geschütz "GUSTAV" zugeordnet werden.
Das unten stehende linke Foto zeigt die eine zerstörte Geschützhalle mit den Rohrteilen auf Waggons verladen. Ganz rechts hinten sind die Munitionswagen zu sehen. In der linksseitigen, nur Teilweise zerstörten Halle, befanden sich die beiden Fahrgestellhäften sowie die beiden Schießgerüste der "DORA", Foto unten rechts.
Ab Juli 1945 wurde die "DORA" von zwei russischen Ingenieuren begutachtet. Diese wohnten in dieser Zeit im Verwaltungsgebäude des Depots. Im Oktober 1945 wurden dann nachweislich unter Benutzung der kleinen Portalkräne des Geschützes, die Geschützteile auf Waggons verladen. Die Geschützwaggons wurden dann auf den zentralen Beutesammelplatz nach Merseburg verbracht. Nach einer russischen Quelle wurde das Eisenbahngeschütz im Juli 1946 in die Sowjetunion nach Stalingrad in das Werk "Barrikade" verbracht. In den Jahren 1946 bis 1947 hatte ein Konstruktionsbüro den Auftrag eine gleichwertige Konstruktion zu entwickeln. Im Jahre 1950 wurde das Vorhaben aber abgebrochen und 1960 wurden die Reste das Eisenbahngeschützes verschrottet. .



Im September 2003 konnte nach Hinweisen von Zeitzeugen ein Trümmerstück der "DORA" geborgen werden. Hierbei handelt es sich um ein ca. 200 kg schweres Teilstück von der Wiege das bei der Sprengung über das Wohnhaus hinweg in den Garten geschleudert wurde. Das Trümmerstück befand sich in 150 m Entfernung von der Sprengstelle in einem Wohngrundstück. Es war dort mit in den Steingarten integriert.
Seit Mai 2007 wird dieses Bruchstück im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden mit ausgestellt.
Einige Waggons aus dem Bestand der "DORA" waren noch lange Zeit bei der Deutschen Reichsbahn im Einsatz. Das linke Foto zeigt einen Geschoßwagen, dieser war im Raum Chemnitz und Mittweida als Stückgutwagen und auf Grund des hohen Eigengewichtes als "Bremserwagen" eingesetzt. Die seitlichen Türen wurden dabei nachträglich eingesetzt, um eine bessere Beladung zu gewährleisten.

Jetzt noch ist im Eisenbahnmuseum Schwarzenberg/Erzgebirge ein Kartuschenwagen aus dem Bestand der "DORA" (Fotos Mitte) vorhanden. Dieser ist eindeutig an den Öffnungen für die Anschlußrohre des Klimawagens, zur Kühlung der Kartuschen, an den oberen Stirnseiten zu identifizieren. Im Inneren des Waggons befindet sich eine umfangreiche Elektroinstallation. Nach Aussage eines Zeitzeugen, der die Wagen noch im Depotgelände von Auerswalde gesehen hat, müsste es noch der Originalfarbton sein. Zur Zeit wird er als Materiallager genutzt.


Das kleine Foto zeigt die beiden Wagentypen bei der Entladung von Munition an der "DORA". Ganz rechts im Bild Uffz. Wilhelm R. Das ganz rechte Bild zeigt Soldat Ernst M.bei Montagearbeiten am Geschütz.






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Letzte Aktualisierung am Juni 2009